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23.09.2019 11:29:29


„Ich fühle mich in der Schweiz zuhause“

In den vergangenen zwölf Monaten wurden 22 Personen in Wittenbach eingebürgert. Am letzten Donnerstag wurden die Neu-Eingebürgerten zur Einbürgerungsfeier ins Schloss Dottenwil eingeladen. 15 Personen folgten der Einladung und erhielten von Gemeindepräsident Oliver Gröble den Bürgerbrief. Der 30-jährige Rinor Bislimi ist einer davon. Er ist im Kosovo geboren, kam mit sechs Monaten in die Schweiz und arbeitet heute als Wirtschaftsinformatiker. Im Gespräch erzählt er, wie es ist, auf dem Papier Schweizer zu sein.

 

Warum haben Sie sich einbürgern lassen?

Bis etwa 19 Jahren war eine Einbürgerung für mich kein grosses Thema. Je selbstständiger ich wurde, desto mehr stellte sich mir jedoch die Frage „wer bin ich?“. Ich bin in der Schweiz aufgewachsen und habe mein Leben ausser den ersten paar Monaten in der Schweiz verbracht. Ich komme zwar aus dem Kosovo, spüre da aber nicht die gleiche Zugehörigkeit wie zur Schweiz. Wenn ich im Kosovo bin, fühle ich mich dort eher als Ausländer. Dieses Gefühl habe ich in der Schweiz nicht. Ich identifiziere mich mit der Schweiz und fühle mich hier zuhause.

 

Was ist das nun für ein Gefühl, den Schweizer Pass in den Händen zu halten?

Freude und auch Erleichterung, dass ich nun auch im Pass Schweizer bin. Mich hat es immer etwas gekränkt, dass ich bei Fragen zu meiner Nationalität nicht „Schweiz“ angeben konnte. Das ist vielleicht etwas schwierig nachzuvollziehen, aber man hat irgendwie das Gefühl, dass man als Nicht-Schweizer mit anderen Augen gesehen wird und das, obwohl man perfekt Schweizer-Deutsch spricht. Auch wenn ich grundsätzlich nicht anders behandelt wurde, ich fühlte mich trotzdem irgendwie benachteiligt.

 

Wie erlebten Sie den Einbürgerungsprozess?

Ich habe mich im Vorfeld gut darüber informiert und wusste, was mich erwartet. Da ich in der Schweiz aufgewachsen bin und hier zur Schule ging, musste ich weder den Sprachtest noch den Staatskundetest machen. In einem Bewerbungsschreiben habe ich aufgezeigt, warum ich mich einbürgern lassen will. Vor dem Einbürgerungsgespräch habe ich nochmals bisschen die Schweizer Geschichte und Politik repetiert. Wer Schweizer werden will, sollte sich da schon etwas auskennen. Der ganze Prozess ging etwa 1.5 Jahre.

 

Was ändert sich für Sie, da Sie nun Schweizer sind?

In meinem Alltag wohl nicht sehr viel. Ich tickte ja vorhin schon wie ein Schweizer. Die häufigste Reaktion aus meinem Umfeld auf meine Einbürgerung war „das war langsam Zeit, du warst eh schon ein Schweizer“. Mein Leben geht also weiter wie bisher. Jedoch möchte ich jetzt politisch aktiv werden. Das heisst ich werde mich mehr mit aktuellen Themen auseinandersetzen und mich politisch mehr informieren, da ich mich ja jetzt an Abstimmungen oder Wahlen beteiligen kann.

 

Sie sind nicht nur Schweizer, sondern auch Wittenbacher. Was heisst das für Sie?

Wittenbach ist meine Heimatgemeinde, ausser etwa drei Jahre habe ich immer hier gelebt. Für mich bietet Wittenbach alles, was es braucht. Auch wenn viele Freunde inzwischen weggezogen sind, mir gefällt es hier. Mit meiner Einbürgerung und der Einbürgerungsfeier hat mich Wittenbach als Teil der Wittenbacher Gemeinschaft anerkannt. Dafür bin ich dankbar.

 

Rinor Bislimi im Gespräch mit Isabel Niedermann


Rinor Bislimi
 

Datum der Neuigkeit 10. Sept. 2019
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